Denis Werner gewinnt bayerische U10-Meisterschaft

02. April 2016

Sieger U10 BJEM 2016Am gestrigen 1. April endete im unterfränkischen Bad Kissingen die Bayerische Jugend-Einzelmeisterschaft. Aus Garchinger Sicht war vor allem die Teilnahme Denis Werners interessant, der sich mit seinem zweiten Platz bei der Münchner Meisterschaft Anfang Januar für dieses fünftägige Turnier qualifiziert hatte. Am Ende errang er einen herrausragenden Erfolg, mit sechs Punkten aus sieben Partien (+5, =2) hatte einen Halben Punkt Vorsprung auf den Asschaffenburger Dominik Kodalle und einen ganzen Punkt auf Wilhelm Grunert vom SK München Südost. Nun geht die Reise für Denis erneut weiter, in der ersten Woche der Pfingstferien findet im sauerländischen Willingen die Deutsche Meisterschaft statt.

 

Nach zwei relativ lockeren Auftaktsiegen kam es in Runde 3 zum ersten Aufeinandertreffen mit einem Mitfavoriten. Im Duell mit dem späteren Zweiten, Dominik Kodalle, gegen den Denis noch unlängst beim Rapid-Turnier in Schweinfurt verloren hatte, wählte Denis im Mittelspiel einen zweifelhaften Plan, der dem Gegner einen starken Freibauern auf e4 erlaubte, und in einem Sturm der schwarzen Königsflügelbauern auf die weißte Frontlinie hätte enden können. Doch Dominik wählte eine zahmere Herangehensweise und verschachtelte die Stelung mehr und mehr, so daß sich sein Vorteil verflüchtigte. Spektakuär am Ende der Abtausch des letzten Turmpaars, bei dem Denis präzise das entstandene Bauernendspiel vorausberechnet hatte, welches aufgrund eine weißen Durchbruchschance trotz einen schwarzen Freibauern totremis war.

 

Aufgrund des halben Minuspunktes kam es in Runde vier erstmal weider zum Duell gegen einen etwas leichter zu spielenden Gegner. Denis Eröffnungsbehandlung war zwar fragwürdig, doch wie er im weiteren Verlauf der Partie die gegnerische Bauernkette an deren Spitze knackte und dann auf der entstandenen offenen Linie ins feindliche Lager eindrang, sehenswert. Die dann entstandenen mannigfaltigen Drohungen konnte der Gegner nicht alle parieren und musste eine Figur geben. Bemerkenswert auch hier, wie Denis im Endspiel die letzten Figuren liquidierte, und dabei vorausgesehen hatte, daß der entstehende Freibauer des Gegners das Ziel nicht rechtzeitig erreichen konnte.

 

In Runde fünf kam es nun zum nächsten Hochkaräter-Duell, gegen den bis dahin verlustpunktfrei agierenden Wilhelm Grunert, zudem dem DWZ-Primus des Turniers. Duelle der beiden gibt es natürlich häufig, es findet sich in unserer Datenbank noch eine Partie, in der Denis keine DWZ, Wilhelm gerademal 800 hat... Zuletzt trafen sie sich in Deisenhofen, das Rapid-Turnier gewann Wilhelm mit 7/7, nachdem er in der Schlußrunde gegen Denis klar auf Verlust stand, aber mit einem überraschenden Mattangriff den Kopf noch aus der Schlinge ziehen konnte. 

Die Farbverteilung war diesmal die gleiche. Wilhelm hatte aus dem Eröffnungsfehler der Partie aus Deisenhofen gelernt, doch Denis fühlte sich in der gewählten Variante trotzdem mehr zu Hause (dankende Grüße an Aljoscha!), Im 20. Zug tütete er einen Figurengewinn ein. Danach spielte er konzentriert und kombinationssicher und gewann die Partie schon in Zug 33 mit einem spektakulären Matt. Ein echter Big Point! 

 

Dominik hatte in der Runde zuvor gegen Wilhelm verloren, sodaß Denis nun alleine das Tableau anführte.

Der nächste Gegner war ebenfalls einer aus der starken DWZ>1300-Gruppe, Aurelian Krüger vom SC Gröbenzell. Denis' strategische Wahl aus der Eröffnung heraus war nicht die beste, doch der Gegner wußte daraus kein Kapital zu schlagen. Vor allem unterließ er es, einen vernichtenden Schlag gegen die weiße Königsstellung zu initiieren. Im Endeffekt kannten sich beide Spieler in der Mittelspielstellung nur wenig aus und versuchten also normale oder ungefährliche Züge zu spielen. So verschwanden Stück für Stück Figuren vom Brett und es entstand ein nicht leicht einzuschätzendes Leichtfigurenendspiel (jeweils S+L, dazu 2+2+2 Bauern vs. 3+3 Bauern). Schwarz erreichte nun mehr und mehr Raum und Aktivität, doch Denis hatte einen wichtigen Freibauern auf der h-Linie gebildet, der die Stellung im Gleichgewicht hielt. Als Aurelian aber seinen eigenen Freibauern zu weit vorschob, kippte die Stellung, da dieser verloren ging, und das entstandene Bauernendspiel eine leichte Beute für Denis Endspielkünste war.

 

Damit lag Denis eine Runde vor Schluß weiterhin in Front, Und von Platz drei war er schon nicht mehr zu verdrängen, womit die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft bereits gesichert war. So galt es am letzten Tag nur noch den Titel einzusacken.

Natürlich gibt es dann keine leichtern Gegner mehr, mit Christian Kraftsik vom SC Vaterstetten-Grasbrunn kam sogar ein richtig unangenehm zu spielender Gegner auf Denis zu. Die ganze Partie lief an sich gut, aus der Eröffnung heraus kam Denis mit einigem Stellungsvorteil, seine Figuren hatte er deutlich vorteilhafter aufgestellt, und im Mittelspiel konnte er daraus mehr und mehr Kapital schlagen, stellungsmäßig, aber nicht von ernsthaftem materiellen Wert. Der eingeheimste Mehrbauern, der ein Doppelbauer war, sah nicht ausreichend aus. So also verflüchtigte sich das ganze mit jedem Abtausch wieder, und schließlich stand ein Springerendspiel auf dem Brett.  Hier hüpfte der schwarze Springer  ungleich geschickter als sein weißer Kollege durch die Bauernreihen und stellte innerhalb weniger Züge die Stellung tatsächlich auf den Kopf. Wenig später mussten beide Rösser vom Brett, das Bauernendspiel war für Denis aber hoffnungslos. Doch Christian fand den sofotigen Gewinnweg nicht, wonach andererseits die Stellung umgehend Remis ist.

 

Wilhelm verlor parallel dazu gegen Leonardo Costa - der dadruch noch Vierter wurde - wodurch der Meistertitel für Denis sicher war.

Insgesamt eine sehr sehr starke Turnierleistung. Beeindruckt haben vor allem die Rechentiefe und die Endspielkunst von Denis. Wo er sich in der Eröffnung und den deshalb zu spielenden Plänen auskannte, war er kaum auszubremsen. An diesen fünf Tagen nahe dem unterfränkischen Kasino kam auch das entsprechenden Quantum Glück dazu, ohne daß es manchmal zu solchen Ergebnissen nicht reicht. Trotzdem verdient und - Gratulation!

 

Die deutsche Meisterschaft findet von 14.-22. Mai statt. Dort ist Denis dann Teil der Bayerischen Delegation - vielleicht wird er gar Fahnenträger (kein Aprilscherz!) - und wird von dieser betreut und vorbereitet. Schon vorher darf er die Vorteile eines Meisterspielers beim Kader-Lehrgang in Weißenbronn erfahren.

Mit dem Meistertitel Bayerns in der Tasche dürfte er sogar zur EU-Meissterschaft im August in Tschechien fahren - andererseits muß all sowas auch finanziert werden, daher müssen wir hier wohl auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Das sind aber allemal sehr erfreulich Tatsachen!

Nicht zuletzt: Für die Bayerische Meisterschaft 2017 in der U12 ist Denis jetzt schon vorqualifiziert.

 

So viele Zeilen über Denis...

... nicht vergessen werden soll, daß Liana Muhina zeitgleich auf Burg Wernfels bei Nürnberg an der U10-Mädchen-Meisterschaft teilnahm.

 

BJEM 2016, U10 weiblichKurzerhand hatten wir kurz vor Anmeldeschluß vor ein paar Wochen noch einen Freiplatz für sie ergattert, da die ursprünglich aus München qualifizierte Martina Costa nicht teilnahm.

Und Liana spielte eine gute Rolle im Turnier, lag nach vier Runden im vorderen Mittelfeld, mußte am Donnerstag jedoch unglückliche Niederlagen hinnehmen.

An das herausragende Ergebnis von Denis reichte sie so nicht heran, doch 3,5 Punkte aus sieben Partien und Platz neun unter sechszehn Starterinnen sind ebenfalls ein achtbares Ergebnis. Ihre Partien bestachen durch eine Menge toller Ideen, leider war ihr das Glück selten hold, so daß manche gute Stellung noch vom unbändigen Angriffswillen der Gegnerinnen zerschlagen wurde. Aber so läuft das manchmal, daraus können wir eine Menge lernen, und ein tolles Erlebnis war es sicher allemal.